Bekanntmachungen

Dreharbeiten des SWR in Schelklingen für „Landesschau Mobil“

Axel Gagstätter ermittelt, wie aus einem Berg Zement wird


Schelklingen – Seit Sonntag ist ein Fernsehteam des SWR in und um Schelklingen herum unterwegs, um mit viel Liebe zum Detail die Besonderheiten der Gemeinde einzufangen. Axel Gagstätter hat inzwischen viele Stellen besucht, die erwähnenswert sind, und selbst für Einheimische noch Geheimnisse bereithalten. Emotional wurde es, als der versierte Fernsehmoderator an der Urspringschule nach vielen Jahren seinen inzwischen 88-jährigen Lehrer wiedergesehen hat. Doch Gagstätter hatte in seiner Schulzeit dem Lehrer gar böse zugesetzt. Und richtig heiß wurde es für ihn im Zementwerk.

Der härteste Dreh im Berufsleben des studierten Juristen, Hobbyschlagzeugers und langjährigen Fernsehreporters Axel Gagstätter war 2013 und 2014 eine Reise paddelnd und trampend auf der Donau vom Schwarzwald bis ans Schwarze Meer. Der gebürtige Neu-Ulmer benutze ein Kajak, enterte aber für seine 16-teilige Sommerserie auch Fracht- und Passagierschiffe. Ganz so abenteuerlich waren seine Erlebnisse der letzten Tage in Schelklingen nicht. Aber für „Landesschau Mobil“ hat er viele Dinge zu Tage gefördert, die seiner Ansicht nach längst in die Öffentlichkeit gehören. „Schelklingen wird total unterschätzt“, sagt der bald Sechzigjährige, und nennt als Stichworte „UNESCO Welterbe“, „Geopark“, „Biosphärengebiet“, „Venus vom Hohle Fels“ und „ältestes Musikinstrument der Menschheit“.

Seine Schelklinger Abenteuer führten Axel Gagstätter zunächst nach Justingen zum Bauwagen des 38-jährigen Wanderschäfers Sven de Vries, der auf eine eigene Familie verzichtet, und ganz für seinen Beruf und seine Tiere lebt. „Der gebürtige Hannoveraner kennt viele seiner 400 Schafe beim Namen. Als einmal Drillinge zur Welt kam, und die Mutter nur zwei Lämmer säugen konnte, hat er Nummer drei mit der Flasche großgezogen und Paula getauft“, so Gagstätter.

Der Hohle Fels gehörte natürlich auch zu den Stationen des Fernsehteams. „Archäologen der Universität Tübingen graben dort gerade in der Neandertalerzeit“, verrät Axel Gagstätter schon mal, und bezeichnet die Fundstelle als Wundertüte. Der emotionalste Moment für Gagstätter bei seinen Dreharbeiten in Schelklingen kam dann am Dienstag in seiner einstigen Schule, der Urspringschule. In den 1970-er Jahren hatte er dort vier Jahre verbracht, und er gehörte nicht zu den braven Schülern. „Ich habe dort die Grenzen ausgetestet und es eindeutig übertrieben“, sagt er freimütig und erinnert sich an einen Streich, bei dem er seinen damaligen Lehrer in einen Schrank eingesperrt hat. Wie das Wiedersehen mit dem inzwischen pensionierten 88-jährigen Pädagogen verlief, wird ebenfalls Thema sein im Film über Schelklingen, ebenso die tolle Landschaft, in der er einen Schulleiter getroffen hat, „der für seine Schüler lebt“, wie Gagstätter es formuliert.

Axel Gagstätter berichtet über die Schwäbische Alb-Bahn und ihren hart erkämpften Extrahalt in Sondernach. Und er kam nicht an den Türmen bei HeidelbergCement vorbei, wo ihn Werksleiter Michael Cypra und Ofenschlosser Ulrich Rauscher begrüßten. Rauscher hat 1978 bei der Firma seine Schlosserlehre begonnen, hat mithin ein wenig mehr Betriebserfahrung als der aus Rheinhessen stammende Diplomingenieur Michael Cypra, der seit Dezember letzten Jahres das Werk leitet. Sogleich führten die beiden Experten das Fernsehteam auf die höchste Plattform des Wärmetauscherturms. In 123 Metern Höhe erläuterte Cypra, dass er das Zementwerk als Teil Schelklingens betrachte, und sich um die Sorgen der Nachbarschaft kümmere. Er räumt ein, dass dies in der Vergangenheit nicht immer gelungen sei. Jedoch wohne ein Großteil der 130 Mitarbeiter am Ort. Schon seit Mitte der 1990-er Jahre fördere das Werk durch Finanz- und Sachspenden die archäologischen Ausgrabungen in und um Schelklingen. In Bälde würden Werksführungen angeboten, buchbar über das Internet. In schwindelerregender Höhe erläuterte Cypra auch die Abläufe. So käme das Rohgestein in zwei Hallen an, und würde in einer Mühle zu feinem Mehl gemahlen. Über ein Silo wandere es in den Wärmetauscher und von da in den 68 Meter langen Ofen mit einem Durchmesser von 5,2 Meter. Bei 1450 Grad bilden sich nach 30 Minuten Verweildauer Klinkerkügelchen, die in einen Kühler fielen. Deren Kristalle würden im Mikroskop beim richtigen Mengenverhältnis der Oxyde aussehen wir die Sternchen von Schneeflocken. In einer weiteren Mühle entstünden die verschiedenen Sorten Zement, die in der ebenfalls gezeigten Packstation in Säcke oder Silozüge abgefüllt würden.

Der im März 2019 installierte Ofen laufe an 330 Tagen im Jahr. 2016 habe mit der Errichtung des neuen Wärmetauscherturms ein Umbau begonnen, der bis auf Restarbeiten fast abgeschlossen sei. Neu sei eine Halle für Sekundärbrennstoffe, also speziell für die Zementindustrie aufbereiteter Haus- und Industriemüll, der anstelle von Braunkohle verfeuert werde.

Obwohl Axel Gagstätter auf dem Werksgelände ganz schön ins Schwitzen kam, erlebte er die spannendsten Momente im gut zwei Kilometer südlich des Werks gelegenen Steinbruch. Hier war der sprengberechtigte Vorarbeiter Gerhard Mang der Chef im Ring, und führte gleich zwei Sprengungen durch, eine mit 30.000 Tonnen, eine mit 20.000 Tonnen gelösten Gesteins. Das waren die 47. und die 48. Sprengung im aktuellen Jahr. „Zur Sprengung nehmen wir den Industriesprengstoff Anfo. Für die 28 Meter hohe Wand der kleinen Sprengung haben meine Mitarbeiter zwei Tonnen davon in 11 Löcher verteilt, um die nötige Sprengkraft zu erzeugen“, so Mang. Seit 100 Jahren wird hier das Material zur Herstellung von Zement gewonnen, bis 2060 reicht die Genehmigung. Gerhard Mang bläst einmal ins Horn, dann zwei Mal, dann rumpelt und staubt es gewaltig. Nachdem sich der Berg scheinbar aufgeblasen und unter Erzeugung einer mächtigen Staubwolke von seiner Last befreit hat, bläst Mang zur Entwarnung drei Mal. Wie die Drohne des SWR die Sprengungen gesehen hat, gehört sicherlich zu den Höhepunkten des Films. Ob dann auch die Schwerlastkraftwagen zu sehen sind, die 90 Tonnen zum Brechwerk transportieren können, oder die Radlader, in deren Schippe 20 Tonnen Gestein passt, bleibt vorerst noch das Geheimnis des Filmemachers.

Gut, dass sich das Team am Mittwochabend bei einem Konzert im Stellwerk erholen konnte, absolut dienstlich natürlich. Dazu hat Ute Krey die feinste Band aus der Gegend der jungen Donau vor die Kamera geholt, Walk The Line aus dem Raum Ehingen/Munderkingen. Bei „White Freight Liner Blues“ aus der Feder von Townes Van Zandt war die Kamera am Filmen. Axel Gagstätter zeigte sich begeistert, und interviewte zwischendurch die Band sowie Stefan Auer vom Stellwerk. So endete ein vielversprechender Filmtag entspannt im kulturellen Zentrum Schelklingens.

In Kalenderwoche 33, also am Samstag, den 15. August von 18.15 bis 18.45 Uhr wird die Sendung im SWR Fernsehen ausgestrahlt, vom 10. bis 14. August kommen bereits vierminütige Filme aus Schelklingen von 18.45 bis 19.30 Uhr in der Landesschau.

Autor: Friedrich Hog